Baja 2014

Nach zu kurzer Vorbereitung, ging es am Mittwoch Nachmittag lähmend langsam in Staugeschwindigkeit nach Leipzig.
Ankunft nach Mitternacht und bei kühlen Temperaturen suchen wir uns im Matsch eine Platz für unser Camp.

Baja 1
Abfahrtsidylle

Am Morgen regnet es noch und ich schaue, dass ich die Formalitäten und die technische Abnahme hinter mich bringe. Die ist mitten in Hohenmölsen, wo fast so etwas wie Volksfeststimmung herrscht.
Den Leuten hier scheint es zu gefallen…
Am Nachmittag treffen dann Tom und Lutz ein. Auch Jörg, der im Service Team bei der JoJo Rallye dabei war ist da. Ich wechsle noch die Reifen (gut dass ich das noch gemacht hab…), und der Abend vergeht recht schnell.

Baja 2

Der Modus sieht vor, dass an 2 Tagen, zwischen 6 und 12 Uhr so viele Checkpoints als möglich angefahren werden.
6 Uhr, das heisst 4:30 aufstehen – genau mein Wetter… Vorstart und Start dann inmitten einer Armada von allem was auf Stollenreifen fährt. Ca.140 Teilnehmer starten in 6er Gruppen im Minutentakt.

Baja 3
XTom am Start

Gleich am Anfang werd ich rechts und links überholt, aber schon nach den ersten Kilometern, geht es dann recht gut und immer mehr Fahrer stehen irgendwo am Rand und suchen den Weg. Sauberes Navigieren ist in der ersten Runde extrem wichtig, da es ansonsten pro ausgelassenem Checkpoint 1 Stunde Strafe setzt. Abgesehen davon dass man nicht mehr weiss wo man ist…
Die volle Testosteron Füllung und Ready to Race zu sein ist also nicht Alles.
Es geht durch einige Tagbau Terrassen mit schönem Sanduntergrund, kleine Wege und Kraterlandschaften in seltsamen Farben.
Irgendwann beginnt dann die Schlammautobahn.
Knietiefes zähes Etwas bremst alles und hier ist auch Endstation für viele. Die extrem schlammigen Passagen ziehen sich über mehre hundert Meter und irgendwann steck ich dann auch fest und eine Zähe Kickerei beginnt.
Dass genau vor mir ein Fahrer meint ein Loch bis zur Magma graben zu müssen lässt meine Zähne noch den Rest des Tages knirschen.
Irgendwann hab ich mich aber auch hier durchgewühlt und es geht weiter. Es folgen schöne Sandpassagen mit Steil Auf- und Abfahrten und immer wieder tiefe Schlamm und Wasserlöcher.
Irgendwann ist dann die erste Runde geschafft und grad als ich glaub jetzt läuft es, grab ich mich bis über die Achse ein und nix geht mehr. Also Durchschnaufen und was nun? Eine Minute später hilft mir dann ein Quad Fahrer und er kann seine Winde ausprobieren. Macht er anscheinend zum ersten mal, denn er kann die sie nicht ausschalten und es zieht das Mopped und mich 10m durch das Schlammloch…
Aber egal, es geht weiter.

Baja 4
und jetzt ? ähhmmm

Weiter durch die tiefen Löcher des Tagebaus und bei Runde 3 ist es aus schon 12 Uhr und der erste Renntag vorbei. Zum Ziel, auschecken und zurück ins Camp zu Moni. Ich bin so fertig dass sie mich aus der Montur schälen muss und ich fast zeitgleich einschlafe.
Eineinhalb Stunden später dann mal was ordentliches essen, Radler trinken und mit den anderen mit den Einzelzeiten der Zeiten der Checkpoints Quartett spielen.
Das Mopped ist so vollgesaut, dass es witzlos ist irgendetwas zu schrauben.
Ich Ziehe die Bremsen nach, kippe etwas Öl rein und Tanke voll – das war’s.
Um 10 Uhr wieder bewusstloser Schlaf.

Der Start am Tag 2 erfolgt in Reihenfolge der Ergebnisse des ersten Tages.
Ich bin in Startreihe 14, also Rang irgendwo um die 70.
In der ersten Runde verpasse ich gleich zwei Checkpoints.
Das ist besonders ärgerlich, da mich dieser Fehler eine halbe Stunde völlig umsonst in ein Schlammloch führt.
Die XT steckte dort bis zum Kicker in einem Loch und das war eine extra unguter Platz zum Starten. Nach 15 Minuten hatte ich dann kaum mehr genug Kraft mein Knie gestreckt zu halten, und dann plötzlich :„Rooarr“ und sie lief!
Ich war aber nicht der einzige der falsch navigiert hatte, denn dort standen schon einige Orange mit Totalschäden (= Batterie Leergestartet).
Männer mit Tränen in den Augen, was für ein Drama.
Die XT pflügte sich dann aus dem Loch und weiter ging es immer besser.

Baja 5
Ausfahrt Schlammautobahn

In der zweiten Runde fühlte ich mich schon richtig gut, und alles begann schön zu laufen. Einige Passagen am zweiten Tag führten auch raus aus dem Kohlerevier (Die Einheimischen sagen „Tachebou“) und durch eine schöne Gegend. Auf Pflaster- und Schotterwegen ging es durch die Felder, bis dann wieder der Pfeil im Roadboock scharf nach rechts zeigte und es 10 m steil nach unten ging.
Von dort dann weiter über enge steinige Passagen und immer wieder Schlammlöcher. Wenn ich nicht wüsste, dass aller Schlamm der Welt aus der Mongolei kommt, dann könnte man glauben, dass er hier hergestellt wird…

Baja 6
kurve kratzen

Auf einer ca. 800m langen, sandigen und breiten Terrasse am Ende der Runde konnte man dann so richtig am Hinterrad sitzen und Vollgas geben. Ich fühlte mich gerade so als richtiger Rennfahrer und philosophierte so vor mich hin („Wenn es den Motor hier zerreißt dann ist das der richtige Ort“ und so Zeug), als links vor mir ein Geschoss mit mindestens 50Km Geschwindigkeitsunterschied vorbeiflog.
Es war der spätere Sieger über 180kg, die Nummer 72 der mich grad überrundete.
Ich war wieder munter.

Baja 7
von hinten

In Runde 3 gab es dann noch einen Abstieg als ich eine Abkürzung über einen doch recht steilen und langen Grashang nehmen wollte.
Fast oben war da wieder so ein unpassender Graben und ich landete 10m weiter unten.
Da wird einem gleich immer bewusst, dass es auch bei grösster Konzentration nicht viel braucht um auszuscheiden, oder sich sogar zu verletzen.
Nach dem Nachtanken versuchte ich noch so viele Checkpoints wie möglich mitzunehmen und gab wieder Gas um weiterzukommen. Bei CP4 in Runde 3 war es dann 12 Uhr und Schluss. Ich suchte den Weg zurück zum Ziel. Das war auch nicht ganz so einfach, denn auf der Strecke darf nicht mehr gefahren werden und ausser einem GPS Punkt hab ich nichts mit.
Also mit Vollgas etwas verwirrt über die Landstrassen. 45 Minuten Zeit sich zurückzumelden, und ich check um 12:41 ein, huh.
Hans hat letztens zitiert: „If you want to finish first, You first have to finish.“.
Ich würd das ganze noch verkürzen und einfach nur sagen „You have to finish“.
Es können da wirklich 100 Kleinigkeiten alles vermasseln…

Zoom in (real dimensions: 640 x 622)Baja 8
und bei Kedo muss ich auch wieder bestellen…

Zurück im Camp gab’s wieder Radler, Essen und CP Quartett. Erstaunlicher Weise war der zweite Tag, trotz des mehr an Kilometern und der schnelleren Gangart, weit weniger anstrengend und es hätte noch einige Zeit so weitergehen können.
Aber dann wär’s ja schon wieder Sport und den gilt es zu vermeiden…(Zitat Lutz oder Churchill?)
Ich hab mit Tom noch vereinbart, dass er die Pokale abholt :-D, und so packten Moni und ich und machten uns gegen 15:00 auf den Heimweg.

Ergebnisse (142 Starter):
23. 46 SEMTNER, LUTZ XT500 32:34:10 58 19:41:03 29 12:53:07 29
31. 57 ZüNDEL, TOM XT500 38:29:24 51 25:45:29 23 12:43:55 28
55. 90 WIESHOFER, MEX XT500 48:30:22 42 28:45:00 20 19:45:22 22