Die ersten 500 Gespannkilometer auf der IZH

Es gibt Mopeds die haben einen ausgeprägten Charakter und sowas beinhaltet dann
auch schon mal Imperative, an die man sich echt erst gewöhnen mu§.
Der der Izh scheint in die Kategorie zu gehören.
Hat sie doch glatt einen, dessen Vergnügungsausfahrten gern auch mal in kriselnden
Wüstengebieten stattfinden, mal in ein ganz andersartiges Abenteuer geführt.
(Herr lallemang)

Packen war einfach: alles in die Kisten im Beiwagen werfen, noch ein Sechserpack Bier drauf und los ging es. Es war 11:30, Pfingsten 2017 und es soll in die Steiermark zum Sölkpasstreffen gehen.
Es ist meinen erste Ausfahrt mir der IZH Planeta 5 und eine der ersten Fahrten mit einem Gespann überhaupt. Typisiert ist sie noch nicht, da ein stinkender Kabelbrand bei der Einfahrt zur TÜV Prüfstelle beim Lagerhaus in Kirchdorf die Elektrik außer Gefecht gesetzt hat, aber die deutschen Taferln sind noch irgendwie gültig und nach einer Notreparatur darf man das ausnutzen.
Volltanken mit 1:33 2T Gemisch, und los geht‘s.
Bei der ersten Steigung, dem 3 spurigen Buchertal ein Dämpfer: Ich hatte mich ganz unten verschalten und dann konnte ich nur mehr im ersten Gang hochzuckeln – Der überholende Verkehr hatte wohl einen Hunderter mehr drauf. Das war das erste mal, dass ich ich zweifelte, ob ich wohl wirklich nach Oberwölz komme.
Weiter den Pass Grießen hoch, ging es dann recht gut. Hauptsächlich aber deshalb, weil er ja nicht steil ist und es vorher eine kurze Abfahrt zum Schwungholen gibt. Die 50er Beschränkung dort muss man halt übersehen sonst landet man wieder im ersten Gang.
Durch Saalfelden dann eine kleine Schrecksekunde: Rad steigt. Gleich bei der Ausfahrt vom Kreisverkehr. Ist ja eigentlich, so sagt man ganz normal, aber wie hoch und schnell und vor allem selbstständig das geht hat mich doch einigermaßen überrascht. Natürlich hab ich dann auch noch falsch reagiert und vorne gebremst. Weil dann eh schon der halbe Ort hergeschaut hat war‘s dann auch egal, dass nach dem fast Ausritt der Gang noch raussprang und ich mitten auf der Bundesstrasse mit der Fuhre zum Totalstillstand kam. Erkannt hat mich eh Niemand…
Dann auf nach Maria Alm. Der Gegenwind liess mich erst mal kaum den Dritten Gang reinbringen und es wir wirklich erniedrigend mit 45 auf der Geraden dahinzueiern. Ich bin doch ein Motorradfahrer und fahre auch manchmal 100. Ich kann also schneller Fahren aber es ging einfach nicht. Bitte glaubt mir das.
Dann die erste Steigung. 2ter Gang springt sofort raus und ich fasse die Höchststrafe aus: Anfahren im ersten Gang. In dem geht es dann unendlich lang dahin, ich werde von ca. Tausend Fahrzeugen überholt und habe mir die Sonnenbrille aufgesetzt. Bei den Motorradfahrern kann ich sehen wie sie ganz lange in ihre Rückspiegel schauen um zu erkennen wer das ist…
Nach Hintertal runter geht es besser. Eh klar aber doch nicht, denn nun scheppert das Ding so unheimlich, dass es auch für überholende und parkende auffällig sein muss. Schon von weitem werde ich fixiert und ungläubig wird gewartet was da daher raucht. Coole Socke die ich bin, schaue ich stoisch gerade aus und tu so als wäre alles normal. Ist es eh, ausser dass ich als Dreiradanfänger vergessen habe was passiert wenn man nur hinten bremst: es geht nach rechts. In diesem fall zog es mich auf den grosszügig geschotterten Liftparkplatz, von 70 auf 0 in 200 Metern. Ich kam gerade so neben einem Deutschen Wohnmobil zu stehen. Beide Rentner stiegen aus und sagten was, da war ich aber schon wieder weg.
Lektion gelernt und weiter.
Beim nächsten Anstieg in Richtung Mühlbach gibt es gleich wieder ganz unten die Höchststrafe ‚Erster Gang‘ nach einem Schaltfehler. Das war dann schon fad ganz rauf nicht über den 2ten zu kommen und mit gefühlten 8km/h hochzuzockeln. Die absolute Erniedrigung kam knapp vor dem Birgkarhaus, als mich nach einem vergeblichen Versuch hochzuschalten ein Mädel auf einem Roller überholte. In Flipflops, ohne Helm und locker mit 30kmh Geschwindigkeitsunterschied. Sie hat nicht einmal hergeschaut.
Über Obertauern dauerte es dann noch eine nicht nur gefühlte ewigkeit, und irgendwann wurde die IZH dann im Ersten so heiß, dass ich Angst habe Opfer einer Explosion zu werden und ich legte eine Rast ein. Bei der Gelegenheit vergass ich, dass ja kein Seitenständer ausgefahren und keine Bremse angezogen war (wiel nicht vorhanden…) und sie fuhr rückwärts in den Stacheldrahtzaun einer Weide. Ich schaute ruhig zu wie der Draht die Sitzbank schlitzte und wartete. Es war mir egal.
Tamsweg, Murau und dann weiter nach Oberwölz. Ich entwickelte sowas wie sturen, trotzigen, stoischen Gleichmut mit dem ich mich überholen lies, das Raufheulen des Motors nach Rausspringen des Ganges zu überhören suchte, das ständige an und ausgehen der Blinker „einfach so“ egalisierte und das generelle Verkehrshindernis sein ignorierte. Nach knapp 6 Stunden für 200km Strecke dann Ankunft in Oberwölz. Nix wie runter vom Mopped und Bier geholt. Fürs erste mal ist alles wieder gut, aber Moppedfahren kannte ich eigentlich anders.

Nach einer duchtgeplauderten Nacht hab ich mich am folgenden Sonntag gegen 11, dann auf den Weg heim nach Fieberbrunn gemacht. Leider war fürs erste mal nix mit anspringen und anschieben war angesagt. Bernhard, kräftig wie er ist hat mich gleich mal 100 m durch den Wald geschoben bis das Licht dann endlich in der Kirche der IZH brannte.
Der Heimweg sollte über den Sölkpass führen und Anfangs war ich mir gar nicht sicher ob das eine gute Idee ist. Doch teilweise recht steil, und mit Sicherheit eine Sache für die „erste Gang Höchststrafe“. Aber egal. Gleich nach der Abzweigung versuch ich an einer 125er Puch dranzubleiben und das ging kurz recht gut und ich schoss quasi im 2ten Gang den unteren Teil der Strasse hoch. Irgendwann war dann die Drehzahl nimmer zu halten und es ging runter in die Erste.
War aber nicht schlimm, denn die Puch war eh weg, und ich alleine. Auf einmal sah ich andere Dinge als sonst: einen Audi Kühlergrill romantisch rausgeschleudert zwischen die Blumen am Wiesenrand, Kuhhäufen mit bunten Fliegen und auch den „Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben“ Superspruch am Wohnmobil konnte ich mit Sicherheit als dumm bestätigen. (Sorry wenn ich hier wertend bin, aber wer sich sowas aufs KFZ schreibt hat schon verloren…) Um das alles zu sehen musste ich die IZH auch nicht bis zum Anschlag ausdrehen. Sie gab die Drehzahl vor in der Sie laufen wollte, die hielt ich und rödelte dahin. Ich folgte nur den Anweisungen des Fahrzeuges und versuchte sowenig als möglich übder den Ursprung un die Sinnhaftigket dieser nachzudenken. Irgendwann erreichte ich dann den Passübergang und machte eine Pause – verdientermaßen. Es fühlte sich gut an hier raufgekrochen zu sein. Wissend, ein ganz anderes Erlebnis gehabt zu haben als jeder der seine GS hier hoch ausgedreht hat.

Den Pass runter ging es erst mit der Motorbremse gemächlich dahin, aber das schepperte mir irgendwann zu viel und ich verliess mich allein auf die Trommebremsen zur Verzögerung. Gleich bei der ersten Rechtskehre war ich ein bisserl zu weit innen und das Beiwagenrad nutze den Asphaltrand als Rampe um hochzukommen. Das machte jetzt wirklich Spass. Wenn man dann den Hintern noch ordentlich nach innen bewegte kam man auch super eng um die Kurven. Wenn das Beiwagenrad, dann durch die etwas schief eingestellte Bremse blockierte konnte man soger sowas wie einen Drift hinlegen, wie geil!
Es begann mir zu dämmern dass nicht alles Endurowissen ein nutzloses ist. Nach der letzten Sölkpasskurve ging es noch das Tal raus. Immer schön abwärts und der vierte Gang ermöglichte satte 80kmh. So passierte das Undenkbare: Ich setzte zum Überholen an! Es war ein Viehtransporter und da ich vielleicht 4 kmh schneller war als der LKW konnte ich lange in die braunen Augen einer Kuh schauen. Obwohl es deren wahrscheinlich letzte Fahrt war, bilde ich mir ein dass sie die IZH und mich freudig anblickte.

Dann begann es zu regnen. Volle! Ich konnte kaum schnell genug den Regenanzug anziehen, als die Strasse schon 5cm unter Wasser Stand. 15 Minuten später war dann auch ich durchnass. Da flogen wir schon vor 50 Jahren auf den Mond, unser Telefon arbeitet für uns, aber eine wasserdichte Gummihaut gibt es immer noch nicht. Alles Lüge also. Das war zu diesem Zeitpunkt dann aber auch gar nicht mein grösstes Problem, denn die IZH fuhr nicht mehr. Ich kickte, trat wie ein trotziges Kind im strömenden Regen auf das Ding ein aber kein Mux. Unterm Helm musste ich Grinsen, da ich mir vorstellte welches Bild ich mit meiner Orangen Gummihaut mit der Ente am Rücken hier abgab. Dann dämmert es mir: kein Benzin! Ich beugte mich über den Tank damit er nicht mehr Regen als Benzin rein läuft und mischte mit der leeren Bierdose vom Vortag 10 lt 1:33er Gemisch. Wie praktisch. Der Russ – ein Fux!
Weiter ging es mit schönem Rückenwind und strömendem Regen. Die IZH machte satte 75 Reisegeschwindigkeit und das passte gut, denn der Verkehr insgesamt war auch nicht schneller. Es war auch egal dass alles platschnass war denn die Luft war warm und es gab nix zu frieren.
Ich begriff, dass IZH Fahren wie Segeln ist. Es gibt nur eine passende Geschwindigkeit und das ist die zur Steigung, Gewicht, Gegenwind, und Drehzahl passende Maximalgeschwindigkeit! Wenn man IMMER so schnell wie es nur irgendwie geht unterwegs ist, dann passt es, und die IZH wird dann Quasi zur in sich selbst gefangenen Kanonenkugel. Andere Verkehrsteilnehmer müssen zur Erreichung des optimalen Fahrzustandes eher ignoriert werden und vorausschauendes Fahren ist wichtig, solange es dem Erhalt der VMax dient.

Aber Filosofie Exkurs Ende, denn so gut fährt sie nur, solange man keinen Spax im im Reifen hat. Also im Postbushüttel bei Gröbmig Seitenwagen hoch heben, ausbalanzieren und Loch flicken. Da der Spax drinsteckte und das Loch bekannt war, musste nicht mal das Rad abgebaut werden, sehr super war das.
So ging es sportlich und durch den Regen grinsend weiter bis nach Schladming wo ich mir an der Bar einer Tankstelle einen Kaffee gönnte. Dort saß so ein Deppenbsuff der, nachdem es in der Londoner U-Bahn wieder Tote gegeben hatte, seine rassistischen Ergüsse verteilte. Einige Zeit hörte ich zu, aber dann nervte er so, dass ich in einem 2 minütigen Monolog erklärte was für ein großartiger Depp er ist. Ich zahlte und wollte weiterfahren, die IZH aber nicht. So stand ich vor dem Seiteneingang und kickte wie ein Depp. Irgendwann dann Zyndkerze ausbauen, Tank runter, Zyndspule, Kabel, WD-40 Spülungen, das ganze Programm halt. Alles kommentiert durch die Tür vom Arsch an der Bar. Was für eine Niederlage. War aber so absurd, dass ich mich schon die ganze Zeit nur mehr selber angegrinst habe. Ich hab dann irgendwann alles nach bestem gewissen wieder zusammengebaut und dabei entdeckt dass der seltsame Dekohebel (den ich vorsichtshalber ausgehängt hatte), leicht verkanntet war und dauernd dekohebelte. Aha. 3 Kicks und ein freundliches „Seavus du Oasch“ später, teilte ich wieder den Regen im Hüttautal.


Nach Bischofshofen wurde es dämmrig und der Verkehr stärker, aber es ging gut voran. Ich war mittlerweile über 8 Stunden unterwegs und hatte 160km geschafft. Am Randstreifen dann nochmals aus Bordmitteln getankt und mit optimaler Drehzahl weiter. Auf der Schnellstraße bei Lend ging es durch den Rückenwind und kühlere Außentemperaturen richtig flott dahin und ich war fast Teil der regulären Heimreiser. Das mit dem Verkehr ist auf der IZH ja eigentlich egal weil der eh immer hinter einem ist und kaum jemals stört. Nach der Unterführung beim alten Haus Jasmin in Harham fiel dann der letzte Rest beleuchteter STVO Konformität ausf. Ich wählte die Variante “ignorieren und heim“ und montierte die Taschenlampe mit Gaffa am Beiwagen. Es waren ja nur mehr 45km und etliche davon konnte ich irgendwie hintenrum schaffen. Da ich nun auch geschnallt hatte, dass kein Gang rausspringt wenn man mit dem Fuss einfach herzhaft auf dem Ganghebel draufbleibt, gab‘s auch keinen unnötigen Lärm und ich schlich mich über die Weiler bei Lenzing nach Leogang.
Es war nun fast dunkel. Die Kühe standen an den Zäunen, die Urlauber winkten von den Balkonen und ich hatte bereits vergessen wie es war schneller als 45 kmh zu fahren und einen 5ten Gang einzulegen. Wenn der Wind von hinten kam inhalierte ich den Geruch des 2Takters und jede Kurve war eine leichte und elegante Turnübung.

Die letzten km runter nach Fieberbrunn flossen wir so gemeinsam nach Hause und nun wurde es mir klar: ICH BIN IZH.