Jojo Ralley 2013

 

Erfahren hab ich von der Rallye von XTom, der mit seinem Kedo Team dabei war. Da ich ursprünglich ja XT fahren wollte, hatte ich mich dann einfach kurzfristig angemeldet.BildAber schon die Vorbereitungen waren mehr als holprig: Bei der XT taten sich alle möglichen Baustellen auf, und so dachte ich, dass es einfacher wäre mit der G/S zu fahren (ein allgemeines Luxusproblem…). Da musste ich mich lediglich um Schwingenlagertausch und den Elektrolurch kümmern; am Tag vor der Abfahrt nach Paris dann noch ein loser Zylinderbolzen. Also eh nix was mehr als normal nervt. Was ich mir gerne erspart hätte, kam dann noch in der Nacht vor der Abfahrt in Form von Zahnschmerzen, die sich nur durch eine spontane Not-Wurzelbehandlung am Abfahrtsmorgen beseitigen liessen. In der Folge war ich beinahe dankbar um den tablettenbedingten flauschigen Kopf während des Rests der Woche.Moni, als beste aller Servicefrauen, übernahm das Steuer auf der Fahrt nach Paris, wo am Freitag die technische Abnahme und am Samstag dann der Start stattfinden sollten. Viel kontrolliert wurde nicht, somit verlief die Abnahme sehr stressfrei. Dafür gab es ausgiebig Gelegenheit, all die anderen Starter und deren Moppeds zu taxieren. Am Start waren viele, vor allem italienische Ténérés, 2V BMW’s, 4 XT’s und einige Exoten wie eine 2T 125er Fantic. Schnell wurde uns klar, dass alles eher relaxed gesehen wird. Pünktlich irgendwo wie vereinbart zu erscheinen, hieß in der Regel mehr Zeit zum Warten zu haben.Zoom in (real dimensions: 553 x 553)Am Samstag dann der Start am Mer de Sable. Eine kurze Sonderprüfung durch die Spurrillen in einem Sanddünenpark nordöstlich von Paris. Spätestens hier war auch klar, dass es nicht um Geschwindigkeit ging, denn etliche der Fahrer wollten sich nicht plagen und ließen diese erste Sonderprüfung gleich aus. Danach dann eine 100 km Liaison rund um Paris zum eigentlichen Start. Dem Roadbook folgend ging es dann über weite Felder und Wege, immer im Zick-Zack und nur kurze Verbindungsstücke auf Asphalt zwischen den Schotterwegen. Die erste Nacht verbrachte der ganze Tross auf einem Campingplatz in Sancerre. Und in guter alter Dakar-Manier wurde an Jörgs schöner XT am Abend noch der Zylinder gezogen, nachdem Tom auch in dieser Gegend jemanden kannte, der kurzerhand mit einem Ersatzmotor und einer ganzen Kiste voll Teilen vorbeikam. Bist Mitternacht wurde beraten und geschraubt; als dann kurz nach 24:00 der Motor beim ersten Kick ansprang, hatte jeder ein fettes Grinsen im Gesicht.Bild 

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Gestartet wurde täglich entsprechend der Startnummern. Ich war mit Nummer 48 das Schlusslicht der Moppedfahrer und es galt vor den Autos zu bleiben, um nicht zwischen ihnen eingenebelt zu werden. Gar nicht immer einfach, denn sogar die 2CV’s waren flott unterwegs. Überhaupt spielte es keine Rolle ob 2 oder 4-Rad-getriebenes Fahrzeug, kaum eines zeigte Respekt vor steileren und steinigen Auffahrten. Ging es nicht weiter, so wurde erst Gewichtstuning betrieben (Beifahrer raus), rückwärts gefahren, Reifen gewechselt, oder die großen Autos hatten endlich eine Möglichkeit Ihre Winden zum Einsatz zu bringen. Gebrochene Achsen und Rahmen wurden dann gleich am Wegrand geschweißt.

 

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Der nächste Morgen brachte Reif auf den Moppeds und stramme 5 Grad nach dem Start.
Ich war die ganze Woche mit Tom, Chris und Lutz in der Gruppe unterwegs. Die hatten doch etwas Mitleid mit mir und der BMW und ließen mich hinter ihnen her fahren (gehetzt habe ich sie sicher nicht…). Nicht nur machte das mehr Spaß als alleine das Roadbook aufzulösen, sondern erlaubt auch hin und wieder einen Blick nach links und rechts. Vor allem auf den Schotterpassagen wurde etwas sportlicher gefahren; dabei das Roadbook und den Kilometerstand im Auge zu behalten, erfordert sehr viel Aufmerksamkeit. Lutz war ja schon so Sachen wie die Dresden Breslau Ralley gefahren und konnte daher saubere Navigation und flottes Tempo gut auf einen Nenner bringen. 300km standen an diesem Tag dann auf dem Tacho.

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Übernachtet wurde auch die nächsten Nächte auf Camping-Plätzen, wo sich der ganze Tross niederließ. Die meisten waren, da die Saison schon vorbei war, eigens fuer die Veranstaltung geöffnet worden. Da war dann niemand, den das Geschraube während der Abend- und Nachtstunden störte. Ab dem dritten Tag stellte sich sowas wie ein Rythmus ein: 7 Uhr Aufstehen, Frühstück, rein in die Motorradkluft und so gegen 8:30 dann Start. Am Anfang immer etwas verhalten wurde es nach etwa einer halben Stunde dann zügiger. Die täglichen Etappen betrugen zwischen 150 und 250 km, und Pascal, der „Thiery Sabine“ der Veranstaltung, war gemeinsam mit seinem engagierten Orga-Team bemüht, ein möglichst hohes Maß an Schotterstraßen, Forstwegen und kleinen Nebenstraßen zu einer Etappe zu kombinieren. Das gelang auch ziemlich gut, und so war immer genügend Zeit zum Luftholen, ehe wir am Schotter wieder angasten. Die Strecken selber führten uns durch einen Querschnitt faszinierender französischer Landschaft und Terrain: weite Ebenen mit von Buschreihen umzäunten Feldern, dunkle Waldpfade, steinige Hochplateaus und weiche Laubwaldböden, wo man die verborgenen Trüffel praktisch riechen konnte (falls Schwein). Weiter im Süden gab es dann steilere Auf- und Abfahrten, groberen Schotter und mehr Steine, kurvige Bergwege und fantastische Aussichten. Dazwischen immer durch kleine Siedlungen und Orte weiter zur nächsten Abzweigung ins Grobe. An einigen Tagen waren die Routen so gewählt, dass wir keinen größeren Ort passierten, an keiner Tankstelle vorbeikamen und kaum eine große Straße befuhren.

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Aus sportlicher Sicht war die Jojo Rallye kein Rennen im eigentlichen Sinn. Die Strecken waren abgesehen von der Navigation nicht wirklich anspruchsvoll. Gut, es gab immer wieder kurze Schlammpassagen, steilere Ab- und Auffahrten und steinige Stücke, aber nichts, das nicht auch ein 2CV mit Seil geschafft hätte. Das vielleicht am ehesten einer wirklichen Enduro-Strecke gleichkommende Stück war der Epilog am Chateau Lastour. Dort wurden früher die Dakar Prologe gefahren. Als am letzten Tag das Rennfieber unter den Teilnehmern ausbrach, wurde dieser Epilog richtig spannend. Am steilen Startstück und entlang der ersten 200 Meter war die Strecke von einer großen Zahl Zuschauern flankiert. Zunehmend dichter Nebel erlaubte eine maximale Sicht von 20 Metern und hatte auch zur Folge, dass Pascal nach einigen Beratungen mit seinem Team den zweiten Durchgang absagte.

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Wer eine klassische Rallye erwartet hatte, wird hier wohl kaum auf seine Rechnung gekommen sein. Aber, Renncharakter hin oder her, wie oder wo kann man sonst acht Tage quer durch Frankreich Enduro fahren und eine Woche im Sattel verbringen, ohne sich viel Gedanken über die Route der nächsten Tage machen zu müssen; und das Ganze dann noch in einer freundschaftlichen und positiven Umgebung. So gesehen war es eine Spitzen-Woche.
Gewonnen hatte schlussendlich Paolo Feletti auf seiner Yamaha. Er wusste selbst nicht genau warum. Mit Sicherheit hatte er ein schönes Mopped, eine blaue Jacke und Style ohne Ende.
War aber auch egal, denn es ging ja irgendwie darum, den Geist der „alten“ Dakar Rallye hochzuhalten.
Das mag für Nichtfranzosen vielleicht etwas befremdlich sein, für viele ist die „alte“ Dakar aber sowas wie Cordoba oder der Abfahrtslauf in Kitzbühel für uns Österreicher.
Und dergleichen ist immer ein Grund, sich an vergangene Heldentaten zu erinnern.

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Das Kedo Team mit Claude Marreau, dem Dakar Sieger von 1983

Fakten:

1900 km Gesamtdistanz
48 Teilnehmer Moto
53 Teilnehmer 2 und Vierradgetrieben
Dauer 8 Tage
Startgeld (incl. Roadbook, Medizinische Versorgung, Platz am Camping Platz):300.-
web: http://www.rallyeraidjojodelhistoire.com

mehr fotos: https://plus.google.com/photos/11754772 … tqLksr__Ww