Neumarkt April 2016

28. Neumarkter Wertungsfahrt, 16.-17. April 2016

Schon die letzten Jahre bin ich des öfteren an der Tankstelle in Frojach stehengeblieben. Das erste Mal wurde ich von einer dunkelhaarigen Schönheit begrüsst, die zu meiner XT meinte „das ist aber altes Motorrad“. Das hat Eindruck hinterlassen, und seither tanke ich dort jedesmal, wenn ich in der Gegend bin. Als ich dieses Mal vorbeikam, konnte man ihr die Jahre, die sie den Stammtisch dort bediente, vielleicht schon etwas ansehen, aber sie sagte “wieder mit das alte Motorrad?“. Ich weiss nicht warum, aber dass sie sich an mich erinnert, brachte mich zum Schmunzeln.

Dann gegen 19:00 Ankunft am Bauernhof der Familie Rechner, wo das Fahrerlager war. Ausser mir waren noch wenige da, und so ging ich erst mal in die zum Rennzentrum umgestaltete Werkstatt ein Murauer trinken und mit dem Besitzer, der das ganze Gelände zur Verfügung gestellt hat, über seine Hackschnitzel Heizung fachsimpeln. Heizanlagen sind ein unerschöpfliches Thema. Nicht einmal zahlen musste ich – ein guter Start. Als es dunkel wurde, kamen dann auch Horxt und Herbert, und wir tuckerten via Rauschgraben nach Mühlen zum Hirschenwirt, um uns mit Cordon Bleus und Schnitzeln zu sättigen. Im Anschluss gab’s noch einen Schnaps vom Wirt und depressive Musik von DJ Herbert auf der Heimfahrt, damit wir nicht zu fröhlich werden. Der Mond blendete und mangels Handy Empfang wurde noch ein bisserl echtes Buch gelesen und friedlich geschlafen.
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Bis halt um dreiviertel Sieben dann die ersten 2-Takter getestet wurden. Zum Frühstück in der Werkstatt gab es Top Kaffee in Menge und selbergebackenen Kuchen. So gegen 10 war dann Start. Diesmal ging es hauptsächlich auf Schotter und Waldwegen durch die Gegend. 3 Runden waren zu absolvieren und pro Runde jeweils eine Sonderprüfung. Wie in der Steiermark so üblich, überall liebliche Gegend und schöner Wald. Horxt „the Man of The Race“ kickte mir vor der 2ten Runde die XT an, nachdem die Kerze nachtschwarz war und nix mehr ging. Es wird behauptet, ich sei mit Choke gefahren, aber das kann nicht sein. Er erhielt seinen Preis in Form einer Dose Bremsenreinigers. Er hat den Preis auch wegen seines überaus gekonnten Ignorierens einer Spitzkehre verdient. Ich bin ihm fast nachgefahren, weil er so cool über die Strasse rausgeschossen ist. Abends sind wir wieder zum Hirschen auf Schnitzel und einen ehrlichen Grillteller. Ich muss meinerseits gestehen, dass meine Energie schon etwas gesunken war. Trotzdem wurde fast alles aufgegessen und der Schnaps des Hauses brav getrunken.
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Am Sonntag waren dann noch 2 Runden und 2 Sonderprüfungen zu fahren. Diesmal in der entgegengesetzten Richtung. Mit dabei war wohl eine der schönsten Steilauffahrten überhaupt. Der griffige Waldboden roch erdig, wenn er ins Gesicht klatschte und das weiche Moos verführte geradezu hineinzufallen.
Und dann die zweite Runde: Vor mir eine 2Takt KTM, die mehr rauchte als ich selber am Abend zuvor, und die ganze, wundervolle Auffahrt in einen weissen Schleier hüllte. Wie wenn im Konzert in der Reihe vor dir jemand Rosa Rauschen mit 100db abspielt. Das ging gar nicht, und da war bei mir dann nix mehr mit Respekt und Freund und so. Also Gas gegeben und eine wichtige Lektion gelernt: man kann KTM’s überholen und es geht ganz leicht. Einfach schneller Fahren. Da ich auf XT natürlich Gentleman, habe ich mich auf der Strasse wieder rücküberholen lassen, um dann auf dem schönen Wiesenstück wieder Gas zugeben. Je länger das ging, desto schneller wurde das Ganze, und dann kippte ich irgendwann in den Gas-regiert-Hirn Modus. Beim letzten längeren Waldstück kam ich dann auch noch an einen anderen KTM Fahrer ran, dem ich dann schön unsportlich knapp vorm Ziel auf der Strasse davonfuhr. Egal. Auch bei der Sonderprüfung glaubte ich die 250er vor mir noch zu kriegen, bis mich dann die Realität in Form einer KTM, die hinter mir gestartet war, einholte…
Die Freude an der Sache und am Fahren war jedenfalls überall zu spüren.
Es gab Mütter, die ihre Kinder den ganzen Vormittag zum Winken an den Zaun hielten. Hofeinfahrten, in denen Biertische aufgestellt waren und bei jeder Runde Wheelies gefordert wurden, und freundliche Streckenposten, die sich auch über mitgeschleifte Bäume freuten. Sogar die Pferde in einer Koppel schreckten sich nicht, sondern schauten, wie ich meine, zumindest interessiert. Der Schmäh lief rund, und Herbert war Sieger der Herzen, weil er an eher unpassenden Stellen seine XT immer zuverlässig und zeitnah ankickte. Auch ihm wurde eine Dose Bremsenreiniger überreicht.
in schönes Wochenende, ganz knapp am Weltfrieden vorbei.
Gewonnen hat unsere Klasse im übrigen der famose Gost mit seiner sehr superen BMW. Gratulation!
Horxt und Herbert bekamen eine Bronze und ich eine Silbermedaille. Warum? Egal.Und hier der Soundtrack auf der Heimfahrt:

Der fabulöse fuzzman, der das Video zum Lied gleich auf der anderen Seite des Berges aufgenommen hat (Tipp: bis ganz zum Ende schauen…)