tunesien, april 2011

Da vom letzten Ausflug nach Marokko noch einige Tage Urlaub und 10mm Profil am Hinterreifen übriggeblieben sind, nützte ich die Gelegenheit um noch eine gute Woche Richtung Sand, nach Tunesien zu fahren.
hier ein kleines video davon:

ich hab auch noch eine geschichte dazu geschrieben die ich tageweise nachschiessen könnte, dann macht auch das video sinn.

alle bilder gibts hier: https://picasaweb.google.com/markuswieshofer/Tunesien2011#

Collagen

09.04. 2001 – Tirol – Fähre Genua

Irgendwie war schon der Hund drin als ich in den Hafen von Genua einfuhr und es brauchte 2 Runden bis ich am der richtigen Terminal war.
Um 24:00 Uhr das letzte aufgeräumte Email geschickt und nun um 13:00 Mittags mitten im Chaos. Also Moped allein am Parkplatz abstellen und ’schnell‘ die Zollformalitäten erledigen.
Nach 10 Minuten Fußmarsch in den ersten Stock eines heruntergekommenen Gebäudes stehe ich in einer langen Schlange vor leeren Schaltern. Die italienischen Zöllner machen Schichtwechsel und lassen hunderte Passagiere erst mal warten.
Nach fast einer Stunde kommen die drei zurück, in der Hand schnapsglasgroße Cafés und unterhalten sich erst mal prächtig – erste Unmutsäußerungen unter den Wartenden.
Nachdem man die mitgebrachten Laptops fachkundig eingesteckt, und sich gestenreich gegenseitig das tolle Programm erklärt hat, gibt’s die ersten Zwischenrufe. Danach nochmals aufstehen und scherzen bevor, nach über eineinhalb Stunden die Stempel wieder geschwungen werden. Mehr aber auch nicht, denn keiner der Zoll-service-dienstleister schaut auch nur einmal auf. Außer Kopfschütteln oder einer wirschen Geste mit der Hand gibt es keine Kommunikation.
Als ich ich an der Reihe bin grüße ich höflich und nachdem ich den tollen Stempel endlich bekommen habe, wünsche der Dame hinter dem Glas noch ein schönes Leben. Dass man sich bücken muss um mit den Beamten durch ein Loch zu reden ist Kalkül. Egal, nix wie raus hier.

Mit dem Stempel auf dem fiche bin ich privilegiert genug um mich in die Schlange vorm Schiff einzureihen zu dürfen, was ich natürlich nicht tue und vorbei am pfeifenden Polizisten, gleich rauf auf’s Schiff fahre. So ein bisserl anarchistisches ungehorsam darf am Moped doch sein…
Die Fähre war so preiswert, dass ich mir eine Kabine gegönnt habe und die suche ich nach dem Chaos erstmal auf. Die ganze Eincheckerei ist so was von desorganisiert, dass ich wirklich Zweifel an der Intelligenz der daran Beteiligten habe. Ich gebe mir das ganze Schauspiel vom Heck der ‚Splendid‘ aus noch eine Stunde. Schlussendlich denke ich, dass weder die Beamten noch die Arbeiter, Einweiser, Zetteleinsammler und Polizisten wirklich an ihrem Job hier interessiert sind. Dass die zum größten Teil Tunesischen Gäste hier nicht öfter auszucken wundert mich. So herablassend und mit so viel Ignoranz behandelt zu werden tut weh, und macht Italien und seine Vertreter hier im Hafen kein bisschen sympathisch.
Aber wenigstens der Café am Schiff ist gut.

Tag 2:

In Tunis sollen wir so gegen 15:00 Uhr ankommen. Da das Schiff nur halb voll, und die See glatt ist sollten wir eigentlich pünktlich sein. Ich will so schnell es geht durch den Zoll, dann Tanken, Geld wechseln und erstmal angasen um soweit wie möglich in Richtung Süden zu gelangen. Wenn es gegen 8 Uhr dunkel wird so habe ich – laut Plan – mindestens 3 Stunden zum Fahren. Da sollte doch was gehen.

Fiche blue, fiche blanche (2x) ausgefüllt, carte grise (die bei uns ja gelb ist) hergezeigt, Passnummer 3x irgendwohin geschrieben, ‚permis de circulation‘ geholt und um 15:45 raus aus dem Zoll. Zwar noch immer viele seltsame Zettel, aber wenigstens ging es schnell. Gleich auf die Autobahn nach Süden, wo es ordentlich gewindet hat. Mag ich gar nicht, weil ich nie weiß warum alles wackelt und schüttelt. Vor allem am Anfang eines Ausfluges kommt einem alles mögliche in den Sinn das kaputt sein könnte, aber schlussendlich war es dann meistens nur der Wind. 40 km vor Kairouan dann runter von der Autobahn und beim ersten Grillstand Lamm mit scharfer Harissa Soße bestellt. Pfoa, sehr gut scharf! Danach auf der Bundesstraße weiter. Es hat ordentlich Verkehr und da ich mit meinem 90er dahinfahre werde ich laufend überholt.
Dann läuft alles wie in Zeitlupe: ein dunkler PKW fährt links an mir vorbei, schleudert rechts, dann nach links gerät dann auf das breite Bankett und schießt, sich überschlagend und in eine riesige Staubwolke gehüllt 2-3 Autos vor mir links von der Straße. Dann krache ich fast in meinen Vordermann und der in seinen, da keiner mehr was sehen kann, und alles bremst und rechts ranfährt. Auch der Gegenverkehr stoppt.
Ich fahre weiter.
Warum weiß ich nicht. Gefühl sagt „Stehenbleiben“, das Hirn „Weiterfahren!“ Im Hinterkopf habe ich noch eine Aktion vor 20 Jahren in Nefta, wo ein Deutscher mit dem ich zu der Zeit Unterwegs war, schuldlos in einen Unfall mit einem Kind verwickelt wurde. Die ganze Sache endete, nach mehreren Tagen im Gefängnis und dem Transfer einer größeren Geldsumme.
So eine scheiß Situation auch. Ich hoffe nur, dass da nicht allzu viel passiert ist. Dass der oder die Insasse(n) unverletzt aus dem Auto ausgestiegen sind, kann ich mir zwar wünschen, wahrscheinlich ist es aber nicht. Und obwohl ich weder direkt beteiligt oder gar Schuld an dieser Aktion war, fühl ich mich unheimlich schäbig, dass ich nicht stehengeblieben bin. Auf der anderen Seite habe ich ja auch unheimliches Glück gehabt, denn er hätte auch mich mit großem Geschwindigkeitsunterschied von hinten abschießen können – Ich mag gar nicht dran denken…
Hab heute viele Karmapunkte aufgebraucht.

Von Sbeitla nach Douz

Ich mag es wenn es beim Aufbruch noch dunkel ist. Der Tag hat dann seine Unschuld noch nicht an das Licht verloren und ist noch voller Optionen. So fahre ich gegen 06:00 los Richtung Gafsa. Die Gerüche sind ausgeprägt, vor allem wenn man hinter einem mit Zwiebeln beladenen Pickup herfährt. Es ist richtig fein als im Osten dann die Sonne aufgeht und es wieder warm wird. In Metlaoui gönne ich mir ein ordentliches Frühstück mit ‚Brick del oef‘, scharfen Erbsen und viel Brot. Dann geht’s in die Phosphat Abbau Region rund um die Oase Tamerza. Die ganze Erde ist über km aufgerissen und und Förderbänder schlängeln sich wie steife Würmer durch die Landschaft. Bei der ‚Grand Cascade‘ bin ich der einzige Besucher. Weiter nach Süden, raus aus den Bergen und von 450m runter auf minus 15m Sehöhe am Chott el Gharsa. In meinem Reiseführer lese ich was von eine ‚öden und unglaubliche langweiligen Piste‘ über den Chott Jerid. So etwas reizt mich natürlich und in Nefta will ich diese Piste Richtung Süden nehmen. Aus der Oase raus, durch die Palmerien geht’s Richtung Ebene. Aber nicht weit, denn schon nach wenigen km stecke ich in einem nur wenige hundert Meter langem Schlammstück fest. Das Mopped wieder frei zu bekommen ist eine Schinderei. Ich suche mir zu Fuß eine andere Stelle, aber auch hier nichts mit weiterkommen. Also wieder alles abpacken, Zeug ins Trockene schleppen und mit Spanngurten erst das Heck und dann den Rest aus dem Schlamm ziehen. Bin ich einfach zu schwach oder das Moped so schwer? Das Zeug ist unglaublich klebrig und klammert sich förmlich um alles. Nach einer weiteren halben Stunde hab ich alles wieder im trockenen. Hätte doch auf die Leute im Palmengarten hören sollen die meinten es sei noch zu früh im Jahr und zu feucht. Also Plan B: ich fahre Richtung algerische Grenze und biege dann auf Straße Richtung Süden ab. Bis nach Douz sind es dann noch etliche Stunden. Die Strecke geht schnurgerade dahin und es ist genügend Zeit Kopfzurechnen und sich die Sinnfrage zustellen: Warum fahre ich hier gegen den heißen böigen Wind eigentlich durch die Gegend? […mehr Sinnfragen am Mopped hier einfügen…] Langsam ändert sich dann das Licht und die auftauchenden Dünen erscheinen in weich und strahlend. 560km stehen am Tacho, ich hab mir ein Hotel verdient.

 

Dienstag : „Nee, nur was für Hart Enduros“

Heute war eines der wenige male wo mich der Muezzin am Morgen nicht genervt hat. Bin früh auf und war schon um 7 Uhr unterwegs. Will über die Piste nach Khsar Ghillane. Durch die Palmengärten verlasse ich die Oase wieder Richtung Süden. Was in der Stadt ein frisches Morgenlüfterl war, ist hier ein heftiger Sandwind. Von Norden kommend bläst er quer in Fahrtrichtung und nimmt die Sicht auf die Piste. Die ist aber in sehr gutem Zustand und so geht es stehend und flott weiter. Der Abenteuerfaktor in diesem Wind ist groß, obwohl ich natürlich weiß, dass diese und andere Pisten ja oft und vor allem von Touristen (meist auf geführten Touren) benutzt werden. Dass man sie mit dem Gredder abfährt wusste ich ja, aber als ich fast auf einen stehenden LKW auffuhr staunte ich nicht schlecht als dieser aus dicken Schläuchen Wasser auf die Fahrbahn goss um die Weichsandfelder zu entschärfen. Alles für mein Abenteuer.
An einem der zwei Cafes auf dem Weg stoppte ich , Colapause, und eine Minute später kamen 5 Geländewagen mit ’sich selbstfindenden Wüstenwanderen‘. Der Oberauskenner des Trupps konnte es sich nach Blick auf mein Mopped nicht verkneifen Kommentare wie „auch nicht ganz neu?“ und „warum keine ordentliche KTM?“ abzugeben und prophezeite mir ein grausiges Verdursten an den 50 m (!) hohen Dünen vor Khsar Ghillane.
Ich machte mich auf den Weg.

Der Wind lies etwas nach und es war einfach perfekt. Die Temperatur gerade so, dass man nicht schwitzt, Sonne passend hell und ein leichtes Lüfterl, falls man ohne Schatten stehenbleiben muss (was eigentlich immer der Fall war). Nach Pausen lass ich es normalerweise immer etwas langsamer angehen, aber als ich mich runterbeugte und kurz auf den Tacho schaute zeigte der schon was dreistelliges. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich nun den Wind im Rücken hatte, und ich wunderte mich schon warum es so ruhig war.
Erstaunlicher Weise war die amerikanische Militärkarte die ich unter unglaublichen Opfern in mein GPS gespielt hatte ziemlich perfekt. Ich war eigentlich immer genau auf einer der eingezeichneten Linien unterwegs. Der einzige Showstopper war dann auch der Versuch das große Dünenfeld wie in meinem Reiseführer beschrieben anzugehen. Der Versuch endete im Sand (no na), und erst nach einer halben Stunde rumgraben kam ich wieder auf die Hauptpiste, der ich dann auch folgte. Fünf Minuten halt erstmal, dann sah ich zwischen den Dünen etwas rumfahren. Dann klar erkennbar als ein 50cc Mopped, von Mohammed virtuos durch die Dünen gesteuert. Kurzer Stopp und Geplaudere bis wir bemerkten, dass die Mobilette vorn einen Patschen hat. Also flicken, und darf nicht ohne Stolz sagen, dass nicht alle Einheimischen gute Patschenflicker sind, und das zumindest einer was von mir lernen konnte. Schlussendlich dauerte die Aktion dann doch über eine Stunde (der alte Schutzschlauch über dem eigentlichen wurde vergessen…).

Nach einigen Kilometern wurden die Dünen dann immer dichter und es gab kaum mehr Piste zum Schwungholen oder Stehenbleiben dazwischen. Nicht weiter schlimm, wenn man genau weiß wo man hin will. Soll heißen, beim Rauffahren auf eine Düne sollte man schon wissen wie man runterkommt und die Nächste und am besten auch die Übernächste anfährt. Und die ungefähre Richtung in die es gehen soll, wäre auch gut. Wir Tiroler, die wir ja nicht so die natürliche Beziehung zum Sand haben, tun uns da etwas schwer so vorausschauend zu fahren. Was halt gar nicht geht ist Bremsen, dann dann steht die Fuhre und das will man ja nicht, weil es ja anstrengend ist, sie wieder in Bewegung zu kriegen. Also Gas geben, weil Angst haben immer noch besser ist als durch Zaudern umzufallen.
Kurz nachdem Mohammeds Vorderreifen wieder Luft behielt, kam uns ein Geländewagen einer Ölfirma entgegen und der war Heute mein Jackpot. Seine Spuren waren zwar schon ziemlich verblasen aber noch einigermaßen zu erkennen. Ich ging also einfach davon aus, dass wo immer der Toyota runtergekommen war ich auch raufkommen musste und fuhr so, in nicht immer kontrolliertem Auf und Ab, den Spuren nach. So ging das über etliche Kilometer und irgendwann klappte es so gut, dass es einfach nur mehr Spaß machte so zu surfen. Dann war auch das Dünenfeld aus, und vorbei an der Ruine ‚Ksar = Festung, Ghilanne‘ ging’s in die Oase wo auch schon alle Souvenirverkäufer und Quadverleiher auf mich warteten. Genau: wegen Euch bin ich ja gekommen…

Auf der Suche nach einem netten Platz zum Schlafen fahre ich auf dem Hauptweg durch die Oase. Irgendwo ist da ein Schlauch geplatzt und der Weg ist auf einer Länge von 50 m unter Wasser. Ich fahr da langsam durch, weil Vorsicht, und sau mich natürlich am Ende des Tages noch voll ein. So ein Mist – denke ich erstmal.
Auf dem Weg Zurück nehme ich dann die andere Spur die hoffentlich weniger Tief ist. Großer Fehler! Da war irgendwo ein Loch versteckt in das ich geradeaus reinfahre und mit der ganzen Kiste auf der Seite zu liegen komme. Nun ist wirklich alles Versaut.
Egal, Wasserschlauch fürs Mopped, Zeug aufhängen und selber in die warme Quelle für die die Oase ja bekannt ist.

Top Tag.

Ksar Ghilane – Matmata

Am Morgen sind in der Oase jede Menge Vögel unterwegs die alle großes Mitteilungsbedürfnis haben. Um 4 Uhr ging es los und da war dann nix mehr mit Schlaf. Den Sonnenaufgang abgewartet und dann zur Kanistertankstelle 10lt holen und auf in Richtung Osten. Erst ist es steppenartig und sehr windig, mit einigen netten Verwehungen zum wachwerden. Weil es so wellblechig ist, gilt es eine Entscheidung zu treffen: 30 oder 80kmh. Entscheidung ist klar, und so geht es flott gegen den sandigen Wind dahin. Immer wieder tauchen Dromedarherden (weil ein Höcker) auf und irgendwo im Nirvana dann ein Café.
Ich trinke dort ein Schnapsglas des wohl stärksten Tees überhaupt und wundere mich warum alle Welt Ihre Visitenkarten, Abziehbilder und Passfotos an Orten wie diesem hinterlässt. Wie mir der Inhaber erzählt bin ich auch hier der einzige Gast seit langem. Schon seit 2 Monaten sind kaum mehr Touristen vorbeigekommen. Für ihn, wie für viele andere Einheimische ist es völlig unverständlich warum wir Europäer glauben, dass es zur Zeit gefährlich sei nach Tunesien zu reisen, wo doch der größte Gauner aller nun endlich weg ist. Und wirklich, außer den Wanderern am Café habe ich bisher keinen einzigen Touristen gesehen!

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Gegen Mittag, in der Gegend von Chenini, beginnen dann die Berge und der Asphalt. Sowohl auf der Piste als auch hier auf dem Asphalt ist mir noch kein einziges Auto begegnet und es ist fast schon unheimlich.Ich komme um eine Kurve und sehe einen durchlöcherten Berg vor mir aufragen. Auf den ersten Blick eine einsame Fluchtburg/Siedlung aus römischer Zeit. Beim Näherkommen sehe ich dann aber 10 Jeeps am Fuße des Berges geparkt und beim noch genaueren Hinsehen dann -zig Leute im Gänsemarsch auf Rundtour. Na ja, besichtigen werde ich das nicht, aber wo so viele Leute sind gibt’s sicher was zu Essen. Falsch: ‚Reserve pour la groupe‘.
So schlimm kann’s dann mit dem Gästeschwund auch nicht sein.

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Weiter geht’s durch die Berge in Richtung Matmata. Als Ersatz für das ausgefallene Essen hol ich mir bei Garmassa eine ‚Cassecroute‘ und erkläre in top französisch (ha) dem lokalen 50cc Rocker warum die WP Gabeln gut, 2 Zylinder besser und 4 Takte am besten sind. Schließlich ist es dann wieder vorbei mit dem Asphalt und ich verfahr mich auf einem rauhen Eselweg. Mittlerweile bin ich schon relativ gutgläubig und nehme die Linien die mir die Militärkarte so anzeigt als fahrbar. Bisher hat das auch gut gepasst. Da ich mir gestern schon einen Track gebastelt habe, brauche ich eigentlich immer nur den Pfeilen nach zu fahren und dann stimmt die Richtung. Wo man dann wirklich war, muss man dann halt am Abend nachschauen, denn Navigation und Orientierung sind zwei unterschiedliche Dinge.

Einen Vorteil hat das GPS auch noch: Auf dem der grobsteinigen Piste vor Matmata bin ich in eine halbmetergrosses Loch geknallt. Mit der Vorderrad kam ich mit Gas gerade noch drüber, mit dem Hinterrad blieb ich dann stecken. Von 31 auf 0 km/h in 1,51 Sekunden. Standzeit bis zur Weiterfahrt: 16 Sekunden und alles hier, bei 33º22.336’N und 010º02.498’E und auf 425m Seehöhe.
Tolle Information.

Matmata – Douz via Ksar Ghilane

Das mit den Autospuren im Sand hat mir keine Ruhe gelassen und so wollte ich noch mal die Strecke von Douz nach Ksar Ghilane in anderer Richtungund etwas weiter nördlich probieren. Aus Matmata raus geht’s durch eine fast biblische Gegend auf schöner Piste Richtung Bir Soltane. Überall sieht man die in den Sandstein gehauenen Wohnhölen. Außer in den für die Touristen gepflegten Höhlen, wohnen aber nur mehr wenige Menschen darin, die meisten werden als Viehpferche verwendet. Rückblickend hat sich Matmata schon sehr verändert. Als ich das letze mal vor 20 Jahren hier war, gab es nur eine Piste hierher, die steinig und sehr sandig war. In Matmata dann ein Hotel. Heute führt eine breite Straße von Douz herüber und an jeder Ortsausfahrt findet man einen Kreisverkehr. Ich will nicht den alten Zeiten nachhängen, aber es nimmt einem Ort halt irgendwie die Magie wenn man ihn anders gekannt hat und dann die moderne Variante sieht. Für jemanden der das erste mal hierherkommt, sind die Höhlenbauten aber sicherlich genauso faszinierend wie für mich vor 20 Jahren. Und die Menschen hier sollen ja nicht ewig im Mittelalter leben nur weil ich sentimental werde und lieber Piste als Asphalt fahre.

Langsam verschwinden dann die Berge im Osten und es geht auf einer weite Ebene auf Bir Soltane zu. Das ‚ready to race‘ Café dort mit 100en KTM und Ralley Pickerln lass ich dann aus. Die Pipeline Piste ins Sperrgebiet ist ja mittlerweile auch asphaltiert und so geht’s recht flott wieder nach Ksar Ghilane wo ich von einer Berberfrau an der Kanistertankstelle noch ordentlich über den Tisch gezogen werde.

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Nach einem Cola am Quellteich dann Los. Meine Überlegung ist, dass die Dünen von der flachen Seite eher leichter zu fahren sein müssten und ich auch ohne richtungsweisende Spuren durchkommen sollte. Also los. Bis der Dünengürtel beginnt sind es ca. 45 km die auch schon recht sandig sind und gut zum aufwärmen. Die Dünen packe ich dann wieder mit Schwung und alles geht super. Wie immer ist die Devise nur nicht stehenbleiben. Ganz bestätigt sich meine These natürlich nicht, denn bis 1-2 m kommt mein bei diesen Dünen auch auf der steilen Seite schön hoch. Runter muss man halt immer kurz vorm Dünenkamm abbremsen um nicht ins Dünental runterzuknallen. Und das geht die ganze Zeit so, denn auch bei flachen Dünen ist es echt nervig immer über die steile Kante runter zu platschen. Nach heftiger Kurverei werden die Abstände zwischen den Dünen dann wieder größer und ich bin durch. Alles gut, und ich schwitze nur mäßig obwohl es nun gegen Mittag sicherlich um die 30 Grad hat. Ein Monat später möchte ich echt schon nicht mehr hier sein. Wenn man alleine unterwegs ist macht man sich da sowieso immer viel zu viele Gedanken…

Nach weiteren 40 km taucht dann ein Bohrturm auf und ab da geht es dann auf Autobahnpiste, stehend und ziemlich flott nach Douz. Dort gehe ich wieder in das gleiche billig Hotel wie beim letzten mal, das ‚Mars 20‘, und hol mir zur Belohnung ein Eis.

Zig-Zag nach Norden

Letzter Tag auf Piste, daher will ich das noch ausnützen. Aber schon Morgens komm ich nicht recht in Schwung, als ich nordöstlich von Douz durch eine Müllhalde kurve um den Einstieg zur Piste zu finden. Schließlich finde ich sie, aber es ist so sandig und auch noch so weich, dass ich keine Lust habe mich am Morgen da durchzuplagen.
Also erst auf Asphalt gegen ziemlich starken Sandwind anfahrend in Richtung Osten und erst 45km später auf die Piste. Die ist dan steinig und die ersten Kilometer eigentlich nur fad. Erst als sie dann Richtung Nordost schwenkt wird es etwas grüner und steppenartig. Es weht immer noch ein heftiger Wind und der Sand knirscht zwischen den Zähnen. Je weiter ich in die Gegend von El Hamma komme desto mehr Schafe und Ziegen sind unterwegs. EL Hamma hat dann aber so gar nichts was mich zu einer Pause animieren könnte und so geht es durch diesen staubigen Ort in Richtung Kebili und weiter im Norden dann wieder auf Piste.

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Anfangs geht es durch blühende Wiesen und niedrige Getreide Felder im am Jebel Tebaga entlang nach Westen. Wieder mal ‚Jesus Landschaft‘, friedlich, lieblich, ruhig. Die Piste ist fast wie ein Feldweg und auch die Orientierung ist einfach da es immer am Jebel entlang nach Westen geht. Im Süden der Chott el Jerid der einen immer wieder über seltsame Spiegelungen und Fata Morganas rätseln lässt. Seltsamerweise gibt es hier fast gar keinen Sand und auch die Oueds von den Bergen her sind alle hart und sehr gut fahrbar. Es geht wieder richtig flott dahin und die Stimmung ist ausgezeichnet. Vielleicht auch weil wieder Berge in der Nähe sind. Und einsam ist es auch. Auf über hundert Kilometern Piste kein einziger Mensch, kein einziges Auto und auch kein einziges Schaf oder anderes Tier gesehen.
Am Ende der Piste bei Touzeur reicht es mir aber dann aber doch und ich fahre auf der Straße nach Gafsa um mir dort ein Hotel zu suchen. In meinem schlauen Buch steht was vom Hotel Jugurtha mit 2 Sternen, da will ich hin. Als ich es nach längerer Kurverei durch die lebendige Stadt etwas außerhalb finde, wurde es aber zum ‚Jugurtha Palace‘ mit 5 Sternen. Egal, ich lass mich bedienen und das Gepäck aufs Zimmer bringen. Bei 40,- Euro incl abendessen und Frühstück kann man sich auch ein paar Sterne mehr leisten. Und W-Lan gibts auch.

Gafsa – Nabeul

Am Morgen noch ca. 50km einsame Piste durch die Berge gefunden und dann mit Gegenwind bis Nabeul bei Tunis. 550km.
Morgen nach Tunis auf die Fähre und ab Heim.
Schöne verlängerte Woche, hat sich ausgezahlt.